Tierärztliche Fachpraxis

Dres. Steidl & Hartmann

 

Geriatrie

In unserer Tierärztlichen Fachpraxis sehen wir in den letzten Jahrencleo HAS9095 kleiner erfreulicherweise immer mehr ältere Tiere.

Unser wichtigstes Ziel der geriatrischen Tiermedizin ist dabei, unseren Patienten auch im fortgeschrittenen Alter eine möglichst gute Lebensqualität zu gewährleisten.

 

Lesen Sie als Einstimmung zum Thema Geriatrie den Wortlaut eines Interviews, das im Sommer 2014 im Zeit Wissen (Link: Original-Interview) erschienen ist:

 

 

ZEIT Wissen: Herr Dr. Steidl, Sie sind Fachtierarzt für Klein- und Heimtiere in Tübingen, was sind die häufigsten Alterserscheinungen von Haustieren, mit denen Sie in der Praxis zu tun haben?

 

Steidl: Die Lebenserwartung von Haustieren wie Hund und Katze hat sich in den letzten Jahren enorm verlängert. Zu den Gründen zählen eine bessere Obhut durch den Menschen, altersgerechte Ernährung sowie eine intensivere tierärztliche Versorgung. Dadurch hat auch die Zahl der Erkrankungen, die mit einem höheren Lebensalter korrelieren, zugenommen. Ähnlich wie beim Menschen haben wir es in der Praxis auch bei Tieren häufig mit orthopädischen Problemen (Arthrosen) und Tumorerkrankungen zu tun. Zudem gewinnt man zunehmend Erkenntnisse darüber, dass sich auch im Gehirn von Hund und Katze demenzähnliche Vorgänge abspielen. Dies könnte in Zukunft zu neuen Behandlungsaspekten führen

Cleo - 17 Jahre

 

 

ZEIT Wissen: Wie verändert sich das Verhalten eines Haustieres im Alter?

 

Steidl: Dass mit zunehmendem Alter die körperliche Aktivität reduziert wird, ist kein krankhafter, sondern ein natürlicher Vorgang. Einige Alterserkrankungen gehen mit bestimmten Verhaltensweisen einher. So haben demenzielle Hunde oder Katzen etwa häufig keine Tag-Nacht-Grenze, sind inkontinent oder unrein.

 

 

ZEIT Wissen: Wann sollte der Tierarzt konsultiert werden?

 

Steidl: Ältere Tiere sollten im Rahmen der Vorsorge mindestens einmal im Jahr, besser alle sechs Monate tierärztlich untersucht werden. Durch diesen Seniorcheck werden viele Krankheiten frühzeitig entdeckt und können mit einer guten Prognose behandelt werden. Wir empfehlen in diesem Zusammenhang auch eine umfassende Laboruntersuchung. Sinnvoll wären ein Blutbild und die Laborwerte der wichtigsten Organe (Leber, Niere, Blutzucker), bei der Katze Schilddrüsenhormon wegen altersbedingter Schilddrüsenüberfunktion, ggf. Urinuntersuchungen oder weitergehende Untersuchungen in Verdachtsfällen, wie z.B. Zuckerkrankheit.

Zur klinischen Untersuchung der älteren Hunde gehört ebenfalls das gründliche Durchtasten des Gesäuges (Gesäugetumoren) bei der Hündin und beim Rüden die rektale Abtastung der Prostata.

 

 

ZEIT Wissen: Wann ist eine Einschläferung unausweichlich?

 

Steidl: Eine Einschläferung sollte dann überlegt werden, wenn das Tier unheilbare Leiden ertragen muss, die auch therapeutisch nicht gelindert werden können. Lebensverlängernde Maßnahmen sind daher auch nur dann sinnvoll, wenn das kranke Tier unter tierärztlicher Behandlung seine Lebensqualität behält.

 

 

ZEIT Wissen: Wie gehen Besitzer mit dem Altern ihres Haustieres richtig um?

 

Steidl: Hunde und Katzen, aber auch Kaninchen und Meerschweinchen werden oft als Familienmitglieder verstanden und als solche emotional wahrgenommen und versorgt. Unserer Erfahrung nach gehen Tierbesitzer mit dem Altern ihres Tieres sehr gut um und machen selten etwas falsch, da ihnen Parallelen im Umgang mit alten Menschen bekannt sind. Gleichzeitig haben viele Haustierbesitzer Angst davor, dass ihr Tier alt wird.

 

 

ZEIT Wissen: Ist diese Angst berechtigt?

 

Steidl: Nein. Natürlich ist ein junges Tier aufgrund seiner Aktivität eine tolle Sache, aber, von allen Lebensaltern eines Tieres hat das alte Tier einen besonderen Reiz. Es ist einem vertraut und in die Familie eingebunden. Das Tier und seine Besitzer sind ein eingespieltes Team, das keine Rangkämpfe mehr austrägt. Es herrscht eine Art der Nachgiebigkeit auf beiden Seiten. Alte Tiere bekommen zudem einen einzigartigen Charakter!

 

 

 

Seniorcheck in unserer Praxis

Was empfiehlt Ihnen unsere Praxis für Ihr älteres Tier konkret?

Die zeitliche Definition des Alters ist immer individuell und natürlich auch abhängig von der Konstitution und der Rasse.

So altern große Hunde in der Regel schneller als kleiner Hunderassen.

Wir empfehlen eine spezielle Altersvorsoge im Sinne eines Seniorchecks bei:

  • kleinen und mittleren Hunderassen sowie Katzen ab dem 8. Lebensjahr
  • größeren Hunderassen ab dem 6. Lebensjahr

Üblicherweise untersuchen wir unsere Hunde- und Katzenpatienten einmal jährlich anlässlich des Impftermins klinisch. Bei der klinischen Untersuchung werden alle relevanten Organe angeschaut, abgetastet und abgehört, so z.B. die Zähne und die Gehörgänge, die Augen und die Körperöffnungen. Haut und Unterhaut werden abgetastet – einschließlich der Hoden und der Gesäugeleiste - , aber auch die Bauchorgane wie Blase, Leber und Nieren. Abgehört werden Lunge und Herz sowie Magen und Darm. Ergeben sich bei dieser klinischen Untersuchung Hinweise auf krankhafte Abweichungen, wird nach Rücksprache mit dem Tierbesitzer weitergehend untersucht.

 

Die Durchführung des Seniorcheck empfiehlt sich ab dem 8., bzw. 6. Lebensjahr ebenfalls jährlich. Wird der Seniorcheck sechs Monate nach der Impfuntersuchung durchgeführt, wird das Tier somit zweimal jährlich untersucht und die Sicherheit, auftretende Erkrankungen möglichst schnell zu entdecken, steigt.

 

Der Seniorcheck umfasst:

  • klinische Untersuchung s.o., zusätzlich beim Rüden Abtasten der Prostata vom Darm her
  • Blutentnahme Erstellung eines Blutbildes und der wichtigsten Werte von Leber, Niere, sowie Eiweiße, Cholesterin und Laktat

 

Diese Laboruntersuchungen erlauben uns zusätzlich zur klinischen Untersuchung mit einer hohen Sicherheit zu sagen, ob Ihr Tier gesund ist oder nicht.

 

Kognitive Dysfunktion (Hunde-, bzw. Katzen-Alzheimer)

Ähnlich wie auch beim Menschen können sich mit fortschreitendem Alter (> 10 Jahre) die Gehirnzellen verändern und Verhaltensveränderungen nach sich ziehen.

Diese Verhaltensstörungen werden Kognitive Dysfunktion genannt.

Besteht bei einem unserer Seniorpatienten der Verdacht auf eine Kognitive Dysfunktion, bzw. fallen dem Tierhalter Verhaltensveränderungen auf, gehen wir mit unseren Tierhaltern folgenden Fragebogen durch:

 

  • Verläuft sich Ihr Tier an ihm bekannten Orten?
  • Erkennt Ihr Tier altbekannte Menschen oder Tiere nicht mehr?
  • Wandert es ziellos umher?
  • Wandert es im Kreis?
  • Gibt es aus unerklärlichem Grund Lautäußerungen von sich?
  • Begrüßt es seine Familienmitglieder weniger/anders als früher?
  • Kommt es nicht mehr, wenn es gerufen wird?
  • Hört es die Türglocke?
  • Hört es das Öffnen der Kühlschranktür?
  • Ist es nachts, bzw. zu Zeiten aktiv, zu denen es früher geschlafen hat?
  • Schläft es insgesamt mehr als früher?
  • Erschreckt sich Ihr Tier, wenn Sie es aus dem Schlaf wecken?
  • Spielt es noch mit denselben Spielzeugen wie früher?
  • Hat es mehr Appetit als früher?
  • Hat es weniger Appetit als früher?
  • Hat es Probleme mit „Undichtigkeiten“?
  • Mit dem kleinen Geschäft?
  • Mit dem großen Geschäft?

 

Im Wesentlichen können die o.a. Fragen sowohl bei Hunden wie auch bei Katzen gestellt werden.

Es ist jedoch unbedingt wichtig, die Diagnose nicht nur anhand des Fragebogens zu stellen! Jeder Fall ist individuell zu bewerten. Das Tier steht im Mittelpunkt und muss gründlich untersucht werden, bevor die Diagnose gestellt werden kann.

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Nasti, 17 Jahre
 
(Zwei alte Hunde mit Würde und Charakter)

 

Was kann man bei Hund und Katze gegen Kognitive Dysfunktion unternehmen?

Im Grunde genau so viel, bzw. genau so wenig wie auch beim Menschen. Es gibt einige Medikamente, mit denen man versuchen kann, die Gehirnfunktion zu verbessern.

Häufig ist die Diagnose hilfreich, damit der Tierhalter verstehen kann, warum sich sein Tier auf einmal anders verhält. Dieses Verständnis erleichtert den Umgang mit dem Tier und hilft, seine Bedürfnisse genauso erkennen zu können, wie in früheren Zeiten.

Wir nehmen seit vielen Jahren das ältere Tier, seine Bedürfnisse aber auch die Nöte der Tierhalter ernst und sind für die medizinische Betreuung dieses Lebensabschnittes gut ausgebildet.