Tierärztliche Fachpraxis

Dres. Steidl & Hartmann

Überwintern von Schildkröten

Unsere Schildkröten im Herbst – Tipps für den Winterschlaf

 

Ein Sommer, der auch für unsere Landschildkröten alles andere als optimal war, geht langsam zu Ende.

Obwohl sie sich jetzt in den letzten Spätsommertagen noch etwas „Reserven“ für den Winter anfressen sollen, lässt ihre Aktivität in der letzten Zeit deutlich nach.

 

 

Die bei uns am häufigsten gehaltenen Europäischen Landschildkröten halten in der freien Natur einen Winterschlaf, zu dem sie sich meistens in der Erde in frostfreie Bereiche eingraben. Auch die Schildkröten, die in menschlicher Obhut gehalten werden, sollten die Möglichkeit zum Winterschlaf haben. Der Winterschlaf ist in der freien Natur ein knallhartes Ausleseverfahren: Nur die gesunden und kräftigen Tiere wachen im Frühjahr wieder auf und können sich fortpflanzen. Diese strenge Selektion ist einer der Gründe dafür, dass es die Schildkröten als evolutionäres Erfolgsmodell seit über 100 Millionen Jahren in nahezu unveränderter „Bauart“ auf diesem Planeten gibt. Die Schildkröten haben gesehen, wie die Dinosaurier entstanden und wieder verschwanden, eine faszinierende Vorstellung.

 

 

Aus diesem Grunde sollten nur gesunde Tiere in den Winterschlaf gelassen werden. Untergewichtige Tiere sind meisten krank und gehören deshalb auch in die Tierarztpraxis und nicht in den Winterschlaf. Im Zweifelsfall konsultieren Sie vor dem Winterschlaf einen reptilienkundigen Tierarzt/Tierärztin.

 

 

Als Faustregeln gelten:

 

  • Der Winterschlaf geht von „St. Martin bis Aschermittwoch“ (Anfang November bis Mitte Februar)
  • Die Temperatur liegt zwischen 6 -8 °C

 

Optimal ist der Gewölbekeller eines älteren Hauses. Moderne Keller sind meistens zu warm , die Schildkröten wachen auf oder schlafen erst gar nicht ein. In den Keller stellt man eine größere Kiste (Umzugskarton o.ä.), in die man trockenes Laub oder Stroh einfüllt, so hoch, dass sich die Schildkröten eingraben können. Falls der Keller zu trocken sein sollte (eher selten), kann man auf den Boden der Kiste eine Schicht Blähton geben, die man vorsichtig befeuchtet. Die Kiste muss dunkel stehen, Mäuse, Ratten und andere Tiere dürfen keinen Zugang haben.

 

Wer keinen Keller hat, kann die Schildkröten auch in einem Kühlschrank überwintern. Diesen Kühlschrank sollte man drei bis vier Wochen vor der Einwinterung probelaufen lassen und die eingestellte Temperatur mit Hilfe eines „Minimum-Maximum-Thermometers“ überwachen – ein absolutes „MUSS“ bei der Kühlschranküberwinterung, da kein handelsüblicher Kühlschrank konstant die eingestellte Temperatur exakt einhält. Lebensbedrohliche Erfrierungen sind die Folge. Ein Schüsselchen mit Wasser in der unteren Kühlschranketage sorgt dafür, dass eine ausreichende Luftfeuchtigkeit erhalten bleibt.

 

Vor dem Einwintern hält man die Tiere optimalerweise noch einige Tage in einem nicht mehr hellen und kühleren Raum, z.B. Waschküche und füttert in dieser Zeit nicht mehr.

 

Früher wurde empfohlen, die Schildkröten vor dem Einwintern zwecks Darmentleerung zu baden. Von den meisten Reptilienfachleuten wird dies heute nicht mehr empfohlen. Wenn Sie bisher gute Erfahrungen mit dem Baden gemacht haben, bleiben Sie dabei.

 

Bei sexuell aktiven Weibchen sollte vor dem Einwintern abgeklärt werden, ob sich noch legefertige Eier im Bauch befinden.

Während des Winterschlafs sollten die Tiere alle ein bis zwei Wochen regelmässig ganz kurz herausgenommen und gewogen werden. Das Körpergewicht wird in einem Kalender eingetragen. Gewichtsabnahmen von mehr als 10% sind ein Alarmzeichen: Tiere wecken und sofort zum Tierarzt.

 

Schildkröten, die sich hartnäckig gegen den Winterschlaf wehren oder frühzeitig erwachen, zehren ihre Reserven auf und bekommen Stoffwechselprobleme.

 

Alarmzeichen während des Winterschlafs:

 

  •  Gewichtsabnahme > 10%
  •  Eingefallene oder eingetrocknete Augen
  •  Augen- oder Nasenausfluss

 

In der Regel machen sich die Schildkröten im Frühjahr durch wieder erwachende Aktivität und „Kruschteln“ bemerkbar. Erwachte Tiere müssen fressen und sollten, ggf. künstlich mit Speziallampen gewärmt werden.

 

In ihrer ursprünglichen Heimat scheint die Sonne, wenn die Schildkröten erwachen. In kalten und beleuchtungsarmen Frühjahren, was in unseren Breiten häufiger der Fall ist, müssen wir im Frühjahr für optimale Verhältnisse – warm und hell – sorgen.

 

Und nun – angenehme Winterruhe!

 

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